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Tag 10 - Wir haben noch lange nicht genug

vor 2 Tagen
5 Min. Lesezeit

Sonntag, der 13. September 2026

"wir werden ungeschlagen sein, 100 Punkte Hertha BSC, 100 Punkte BSC!"


6 Pflichtspiele, 6 Siege. Wow! Die Alte Dame rockt momentan die Liga, als gäbe es kein Morgen mehr .


Und genau mit dieser Hertha-Mentalität springen wir heute Morgen aus den Federn. Kurzer Boxenstopp am Waschbecken, Zahnbürste einmal quer durchs Gesicht gezogen, und schon sitzen wir im Auto. Wenn die Jungs auf dem Platz so abliefern, können wir den Tag schließlich nicht mit Füßen treten!


Unser erstes großes Ziel: Der McArthur-Burney Falls Memorial State Park. Heute wollen wir den berühmten Burney Fall endlich von ganz unten bewundern.



Und das Timing ist absolute Spitzenklasse. Der Trail läuft sich fast von selbst, die Luft ist herrlich frisch und – man höre und staune – wir sind komplett alleine hier! Kein einziger Tourist, der uns das Motiv fototechnisch versaut.


Nach nur wenigen Minuten stehen wir am Fuße des Giganten. Von unten sieht dieser Wasserfall einfach noch tausendmal monumentaler aus. Das Wasser stürzt wie eine riesige, weiße Wand in ein eiskaltes, türkisblaues Becken. Wir stehen einfach nur da und starren Löcher in die Luft. Es hat etwas unfassbar Beruhigendes – Naturkino in High Definition.


Das neue Ziel auf der Landkarte heißt: Shasta-Trinity National Forest. Dort wartet ein genialer Wanderweg, auf dem man gleich drei Naturschönheiten auf einmal abgreifen kann: die McCloud Upper, Middle und Lower Falls. Aber ohne Mampf kein Kampf! Vor dem nächsten Abenteuer zaubern wir erst einmal ein stärkendes Frühstück auf den Campingtisch. Heute im Angebot: Rührei nach geheimem Art des Hauses. Schmeckt im Wald sowieso dreimal so gut.


Frisch gestärkt und voller Tatendrang stürzen wir uns in die nächste Etappe.


Wir wollen abliefern wie Hertha: Drei Wasserfälle in Rekordzeit stehen auf dem Programm!


Zuerst begrüßt uns der mächtige Upper Fall. Von dort aus wandern wir knackige 400 Meter weiter zum Middle Fall und legen direkt noch einmal 600 Meter obendrauf, bis wir schließlich vor dem Lower Fall stehen. Ein absolut fantastischer Weg! Einziger Haken: Die Einsamkeit vom Morgen ist offiziell vorbei, hier steppt mittlerweile der Bär.


Überall stehen diese typisch amerikanischen Picknicktische, an denen wirklich jedes Mal ein fetter Grill montiert ist. Die Amis wissen einfach, wie man Outdoor-Leben zelebriert. Erstmal ein saftiges Steak im Wald brutzeln, das wär’s jetzt.


Aber halt, unsere Sucht nach stürzenden Wassermassen ist noch lange nicht befriedigt. Da geht doch wohl noch mehr am heutigen Tag?


Ein kleiner Zwischenstopp mit zwei weiteren Wasserfällen passt noch in den Zeitplan. Vor allem der Mossbrae Fall soll laut Google der absolute Mega-Hammer und der unangefochtene Star der Region sein. Voller Vorfreude kommen wir an – und werden direkt eiskalt abgeduscht. Ernüchterung pur. Der offizielle Zugang zum Mossbrae liegt mitten auf einem Privatgrundstück und ist strengstens gesperrt.


Aber wir wären ja nicht wir, wenn wir nicht direkt einen Plan B aus dem Ärmel schütteln würden. Direkt nebenan ist ein Parkplatz, der zu den Hedge Creek Falls führt. Der Weg dorthin ist gerade einmal 300 Meter lang. Der Wasserfall selbst? Nun ja. Er ist ganz lustig, weil man tatsächlich hinter dem Wasservorhang herlaufen kann, ohne nass zu werden. Aber ehrlich gesagt: Ein optisches Meisterwerk, das sich für immer ins Gedächtnis brennt, ist es jetzt auch nicht unbedingt.


Wir wandern also mutig weiter, immer dem Pfad nach, bis wir plötzlich am Ufer des wilden Sacramento River stehen. Und dann? Ende. Nichts geht mehr. Der Weg hört einfach mitten im Nirgendwo auf. Tja, leider habe ich es bisher noch nicht gelernt, das Wasser wie Moses höchstpersönlich zu teilen. Also drehen wir wohl oder übel wieder um. Später lesen wir im Internet, dass der gesamte Wanderweg noch mitten im Bau ist. Die geplante Brücke über den Fluss kann wohl noch ein paar Jährchen dauern. Gut zu wissen!




Es gäbe da zwar noch eine andere Option, um zum ersehnten Mossbrae Fall zu kommen, aber die ist – nun ja – nicht ganz legal und vor allem lebensgefährlich: Man müsste dafür etwa 30 bis 40 Minuten direkt auf den aktiven Bahngleisen der Union Pacific Railroad entlangspazieren. Wenn da in einer engen Kurve der Güterzug angebrummt kommt, hat man ein echtes Problem. Das ist uns die Sache dann doch beim besten Willen nicht wert. Wir klemmen uns die Gleis-Wanderung und fahren lieber weiter.

Nächste Station: 60 Meilen über die Autobahn ballern bis nach Redding. Hier müssen wir dringend ein paar Kleinigkeiten einkaufen und wollen – so Gott will – das allerletzte Mal im teuren Bundesstaat Kalifornien tanken. Wir stürmen den örtlichen Walmart, und dort macht Jule die Entdeckung des Tages: Ein Einkaufswagen mit einer XXL-Sitzmöglichkeit, zugelassen für ein Kampfgewicht von bis zu 113 Kilogramm! Jule setzt sofort ihren besten Dackelblick auf und verlangt lautstark, ab jetzt von mir durch die Gänge geschoben zu werden. Ich frage mich ernsthaft: Ist dieser Kindersitz eigentlich für amerikanische Riesen-Kinder erschaffen worden?!


Nachdem wir unser hart verdientes Geld erfolgreich unter die Leute gebracht haben, machen wir noch einen schnellen Abstecher zur berühmten Sundial Bridge in Redding.


Da diese gläserne Sonnenuhr-Brücke nur schlappe drei Minuten vom Walmart entfernt liegt, nehmen wir das architektonische Highlight natürlich noch mit. Sieht schick aus, aber extra einen riesigen Umweg dafür einlegen? Muss man jetzt auch nicht unbedingt. Zu allem Überfluss entdecken wir auf dem Rückweg zum Auto sogar noch ein Werbeplakat für ein lokales "Oktoberfest". Unfassbar! Sogar hier in Übersee haben sie diesen bayerischen Party-Wahnsinn. So einen Scheiß gibt es also wirklich überall auf der Welt.




Jetzt reicht es uns aber endgültig mit lauten Städten, Shopping-Tempeln und grauen Autobahnen.


Die Natur ruft! Die wunderschöne Bergstrecke wartet auf uns, und nach meiner präzisen mathematischen Berechnung fehlt uns heute exakt noch ein einziger Wasserfall für das absolute seelische Wohlbefinden. Wir fahren mitten durch das Gebiet von Whiskeytown. Jule holt sich im Visitor Center erst einmal stolz ihren nächsten Nationalpark-Stempel ab, während wir einen fantastischen Ausblick auf den glitzernden Whiskeytown Lake genießen.



Da der offizielle Trail zu den großen Whiskeytown Falls leider viel zu lang ist und unseren minutiös durchgeplanten Zeitplan komplett sprengen würde, statten wir einfach dem kleinen Bruder einen Besuch ab: den Crystal Creek Falls. Der Weg dorthin ist insgesamt nur einen Kilometer lang und der Wasserfall wirklich wunderschön anzusehen. Ein absolut perfekter, idyllischer Wasserfall-Abschluss für den heutigen Tag!



Jetzt heißt es: Endspurt! Vor uns liegen etwas mehr als zwei Stunden Fahrt quer durch die wunderschönen, majestätischen Berge Nordkaliforniens. Neben der Straße begleitet uns fast die gesamte Zeit ein wilder, plätschernder Bach. Die Kulisse ist so traumhaft schön, dass die Fahrt wie im Flug vergeht.


Und dann passiert das Timing-Wunder: Pünktlich zum allerletzten roten Strahl des Sonnenuntergangs erreichen wir den Pazifischen Ozean! Der Himmel brennt in den wildesten Farben und spiegelt sich im Meer. Da ist unser Zeitplan aber sowas von haargenau aufgegangen! Besser hätte es kein Hollywood-Regisseur planen können.



Als es schließlich stockduster um uns herum wird, erreichen wir endlich unseren Campground, der mitten in dem Nationalpark liegt, den wir morgen unsicher machen wollen. Wir brutzeln uns noch schnell eine Kleinigkeit zu essen, kriechen mit schweren Beinen in das Bett und fallen schon eine Stunde später in einen tiefen, wohlverdienten Schlaf. Was für ein genialer Tag!


Gefahrene Kilometer: 485





 
 
 

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