Tag 12 - Crater Lake Nationalpark Part I
Aktualisiert: vor 6 Stunden
Dienstag, der 15. September 2026
Man sagt ja, man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.
Aber wenn Petrus dir in Oregon schon morgens um sieben den Himmel küsst, dann darf man ruhig mal anfangen zu verhandeln.
Ernsthaft: Wie viele Opfergaben muss ich diesem Wettergott eigentlich noch darbringen? Reicht ein Erstgeborenes oder müssen es direkt unsere gesamten Ersparnisse sein?
Unser Traumwetter-Abo in jedem Urlaub läuft auf jeden Fall auf absolutem Premium-Niveau.
Das Beste am Morgen: Der Camper ist diesmal nicht ausgekühlt. Kein Zähneklappern beim Aufstehen! Draußen strahlt ein Himmel, der so blau ist, dass er fast schon unverschämt wirkt. Nach diesem perfekten Start war uns sofort klar: Heute haben wir uns beim Frühstück etwas ganz Besonderes verdient.
Auftritt Jule, die Küchen-Magierin. Sie zaubert heute himmlisch leckere Pancakes, die so fluffig sind, dass sie fast von alleine aus der Pfanne schweben. Und weil wir ja schlaue Taktiker sind, haben wir einen Pancake für Petrus übrig gelassen. Man muss die Chefetage da oben schließlich bei Laune halten!

Gestärkt, motiviert und mit einer Vorfreude, die man im Camper fast anfassen kann, starten wir den Motor. Unser erster Stopp soll – wer hätte es geahnt – ein Wasserfall sein. Ein Urlaub ohne Wasserfall ist für uns schließlich wie ein Pancake ohne Ahornsirup: einfach unvollständig.
Wir juckeln eine gemütliche Stunde durch die Postkartenlandschaft in das beschauliche Holzfäller-Dorf Butte Falls. Und wie heißt der Wasserfall dort? Genau, Butte Falls. Kreativität wird hier im Holzfällerland eben großgeschrieben.
Das Tolle an diesem Spot: Vom Parkplatz aus fällt man förmlich direkt zum Wasserfall hin. Barrierefreies Naturerlebnis für Faule! Die offizielle Aussichtsplattform konnten wir leider nicht benutzen, weil die dort gerade noch fleißig am Bauen waren. Aber hey, wir sind ja flexibel. Vom Rand aus konnten wir einen absolut genialen Blick auf dieses Naturphänomen erhaschen.
Dieser hübsche Wasserfall stürzt über eine breite Kante aus steinaltem Lavagestein, das von der vulkanischen Vergangenheit Oregons erzählt. Das Wasser kommt aus dem Big Butte Creek. Dieser Fluss ist so unglaublich sauber, weil er direkt von unterirdischen Quellen aus den Cascade-Bergen gespeist wird. Früher war der Ort das schlagende Herz der lokalen Holzindustrie, wo die Baumstämme direkt im Wasser verarbeitet wurden. Heute ist es zum Glück ein herrlich friedlicher Ort, an dem nur noch das Wasser rauscht.
Nun hätten wir den direkten und vernünftigen Weg zu unserem heutigen Hauptziel nehmen können. Aber mal ehrlich: Vernunft ist langweilig.
Wer will schon direkt ankommen? Also nehmen wir einen kleinen Umweg in Kauf. Wir wollen die schönere Route entlangfahren und dabei den riesigen Upper Klamath Lake bestaunen.
Der See ist auch wirklich gigantisch und bildschön anzusehen. Das Problem? Wir konnten einfach nicht aussteigen. Nicht, weil wir nicht wollten, sondern weil dort draußen gerade die filmreife Fortsetzung von "Die Vögel" gedreht wurde – nur mit Mücken. Eine absolute Mückenplage! Wir wurden von den sogenannten Klamathmücken regelrecht umzingelt.
An jeder Ecke sah man schon aus der Ferne riesige, bedrohlich wirkende schwarze Schwärme in der Luft tanzen. Sowas haben wir in unserem ganzen Leben noch nicht gesehen.
Hier die biologische Entwarnung für alle, die jetzt schon Juckreiz kriegen:
Diese Monster-Wolken bestehen zum Glück fast ausschließlich aus Zuckmücken (Chironomidae). Die gute Nachricht: Sie können Menschen weder stechen noch beißen! Sie haben nicht mal funktionierende Werkzeuge dafür. Für die Natur sind sie ein Segen, weil sie der absolute Lieblings-Snack für Millionen von Vögeln und Fischen im See sind. Die Tierchen schlüpfen im Spätsommer alle gleichzeitig in gigantischen Massen aus dem Wasser, um sich in einem gigantischen Speed-Dating zu paaren. Nach wenigen Tagen sterben sie auch schon wieder.
Das Problem für uns: Unser Camper war das perfekte Date. Nach der Fahrt war unsere Frontscheibe – ach was, das ganze Auto – ein einziges Mückengrab. Friedhof der Kuschelmücken. Das wunderschöne Panorama des Sees mussten wir also im Kopf abspeichern, weil ein Foto durch die Windschutzscheibe eher nach einem CSI-Tatort ausgesehen hätte.
Der restliche Weg bis zum Nationalpark ist wieder ein absoluter Traum. Oregon, du Schönheit! Dieser Bundesstaat muss sich wirklich hinter keinem anderen verstecken. Wir sind jetzt schon total gespannt, was uns hier in den nächsten Tagen noch erwartet.
Und dann sind wir endlich da: Der legendäre Crater Lake Nationalpark!

Erster Stopp ist – wie es das Gesetz für Roadtripper verlangt – das Visitor Center.
Die Aufgabenverteilung ist wie immer klar geregelt: Jule sprintet sofort los, als gäbe es kein Morgen mehr, um das Stempelpodest für ihr Nationalpark-Heft zu stürmen. Ich nutze die Zeit sinnvoll und schleppe unsere Wasservorräte zum Hahn. Ganze 9 Liter Trinkwasser werden gebunkert. Man weiß ja nie!

Danach schlendern wir noch durch den Souvenirshop. Und siehe da: Ich habe heute meinen spendablen Tag! Jule darf sich gleich zwei Magneten aussuchen. Dekadenz pur! Ich selbst kaufe mir mein Geburtstagsgeschenk in offizieller Vertretung der Großeltern (danke Oma, danke Opa!). Und Leute, ich habe den heiligen Gral gefunden: Eine Nationalpark-Karte zum Freirubbeln! Genial! Nach genau so einer Karte suche ich ungelogen schon seit Jahren. Der Tag ist gerettet.
Beim Studieren der Crater-Lake-NP-Karte gibt es allerdings einen kleinen Dämpfer: Ein Teil der Parkstraße ist leider gesperrt. Eigentlich wäre es ein perfekter Rundweg um den Krater gewesen. Aber wir lassen uns die Laune nicht verderben! Wir können den See trotzdem umrunden, müssen die eine Strecke am Ende eben einfach wieder komplett zurückfahren. Es gibt Schlimmeres auf der Welt, und da wir diesmal mit unserem treuen Camper keine Längen-Einschränkungen haben, passt das absolut.
Unser Schlachtplan: Heute knöpfen wir uns die komplette Westseite vor, und morgen ist dann die Nord- und Ostseite fällig.
Schon nach fünf Minuten Fahrt kommen wir in Rim Village an. Nach einem kurzen Spaziergang stehen wir an der Kante und haben den ersten Blick auf den Kratersee.
"Wahnsinn" trifft es eigentlich gar nicht richtig. Es ist eher so ein Moment, in dem das Gehirn kurz auf Werkseinstellungen zurückgesetzt wird. Dieser See ist der tiefste der ganzen USA (fast 600 Meter!). Weil es keine Zu- oder Abflüsse gibt, kommt das Wasser nur durch Regen und Schneeschmelze hinein. Es ist so unfassbar sauber und klar, dass es das Licht auf eine Weise filtert, die man kaum glauben kann.
Wir fahren weiter, und es ist der Wahnsinn: Alle 250 Meter kommt ein neuer Viewpoint mit einer völlig neuen, noch spektakuläreren Aussicht. Am Watchman Overlook – dem zweithöchsten Aussichtspunkt auf stolzen 2.442 Metern – kommen wir aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus.
Und das Beste: Ich habe hier oben perfekten Internetempfang! Ein schneller Blick ins Netz verrät uns: Genau von diesem Punkt aus soll man den Sonnenaufgang absolut gigantisch bewundern können.
Damit ist die Entscheidung für heute gefallen: Hier wird Feierabend gemacht! Morgen heißt es extrem früh aufstehen, den Sonnenaufgang genau hier einsaugen und danach den Rest des Parks unsicher machen. Wenn wir morgen richtig viel Glück haben (Petrus, ich erinnere an den Pancake!), verziehen sich die letzten Wolken komplett und wir sehen den See in diesem legendären, tiefen Tintenblau.
Mit diesen genialen Eindrücken im Gepäck fahren wir zu unserem heutigen Domizil am Diamond Lake. Und was für ein Volltreffer!
Diesmal kein offizieller Campingplatz, sondern pure Natur. Wir stehen mitten im Wald, mutterseelenallein, umgeben von nichts als Bäumen. Genau so haben wir uns das vorgestellt.
Bevor wir es uns im Camper gemütlich machen, wollen wir eigentlich direkt am See grillen. Die Picnic Area dort ist ein Traum, direkt am Wasser. Leider pfeift uns der Wind dort so heftig um die Ohren, dass die Würstchen wahrscheinlich eingefroren wären, bevor sie den Grill berührt hätten. Also Planänderung: Wir verziehen uns zurück an unseren geschützten Platz im Wald.

Dort angekommen wird der Tisch ausgepackt, die Klappstühle ausgegraben und der Grill angeheizt. Natürlich darf auch unser elektronisches Haustier nicht zu kurz kommen: Wir schmeißen Flyspy in die Lüfte, damit sie ein bisschen Auslauf bekommt.
Um Punkt 17 Uhr glüht der Grill. So früh waren wir in diesem Urlaub noch nie fertig (das Death Valley mal ausgenommen, aber bei über 50 °C grillt man auch eher unfreiwillig selbst). Um 18 Uhr ist alles verputzt, abgewaschen und verstaut. Rekordzeit!
Und da ich hier im Wald – oh Wunder der Technik – fantastisches Internet habe (nicht so wie die letzten Tage, wo eine WhatsApp-Nachricht gefühlt drei Stunden geschwappt ist), geht dieser Bericht heute sogar absolut pünktlich an euch raus!
Nach diesem göttlichen Essen genießen wir jetzt einfach die Stille, die Natur und hoffen gleich auf einen wunderbaren, funkelnden Sternenhimmel über Oregon. Macht's gut und bis morgen in aller Frühe!

Gefahrene Kilometer: 370
PS:
Der Bericht ist eigentlich schon fertig zum hochladen, doch Petrus muss den Pancake so gut geschmeckt haben, dass er uns noch mal in den Camper rennen lässt und wir Flyspy holen.
Auch wenn es bewölkt ist, zaubert er uns einen traumhaften Sonnenuntergang herbei.
Nun ist aber wirklich genung. Bis morgen :)




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