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Tag 21 - Die Troll-Jäger von Seattle

vor 2 Tagen
10 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 1 Stunde

Donnerstag, der 24. September 2026

Unsere vorletzte Nacht im Camper geht langsam zu Ende.

Und wie es sich für die vorletzte Nacht eines langen Urlaubs gehört, haben wir natürlich nicht einfach nur einen entspannten Tag vor uns. Nein. Wir haben noch einmal ein ordentliches Programm auf dem Zettel.


Schließlich steht heute einiges an.


Jule möchte diesmal zeitnah wieder an unserem Schlafplatz sein, damit sie in Ruhe anfangen kann, die Koffer zu packen. Und wer Jule kennt, weiß: Wenn das Wort „Koffer packen“ fällt, sollte man besser nicht zu viel Zeit vertrödeln.

Also heißt es: früh aufstehen, Kaffee rein, Sachen zusammenpacken und los.


Unser grober Plan steht bereits.


Jule hat gestern schließlich noch das Ass aus dem Ärmel gezogen und damit dafür gesorgt, dass wir heute noch einmal richtig Strecke machen.

Aber bei all unseren Plänen dürfen wir natürlich eine Sache nicht vergessen:


Wir haben eine Mission.


Schon im letzten Jahr wurde uns eine wichtige Aufgabe übertragen. Wir sind schließlich nicht einfach nur zum Spaß hier.

Wir sind auf Trolljagd.


Und so etwas nimmt man natürlich ernst.Sehr ernst.


Zumindest solange kein Grill, Wasserfall oder amerikanischer Baumarkt dazwischenkommt.

Bevor wir uns um unsere Mission kümmern können, liegen allerdings noch über 100 Kilometer Richtung Seattle vor uns.

Zum Glück haben wir uns die Strecke nicht einfach nur mit langweiligem Asphalt vollgepackt. Zwei Wasserfälle liegen auf dem Weg und die werden selbstverständlich mitgenommen.

Aber bevor überhaupt der erste Wasserfall an der Reihe ist, bekommen wir noch ein kleines Geschenk von Mutter Natur.

Einen wunderschönen Sonnenaufgang.

Und ausgerechnet dort, wo man ihn besonders gut beobachten kann, befindet sich auch noch eine Rest Area.

Was will man mehr?

Wir stellen den Dicken ab, steigen aus und schauen uns das Schauspiel an.

Der Himmel färbt sich langsam und die ersten Sonnenstrahlen kämpfen sich über die Landschaft. Genau diese Momente sind es, bei denen man wieder merkt, warum wir uns das Ganze eigentlich antun.

Camper.

Viele Kilometer.

Schlechte Straßen.

Enge Parkplätze.

Und manchmal auch eine Jule, die irgendwo aus dem Beifahrersitz heraus verkündet:

„Da passen wir niemals durch!“

Aber dazu später mehr.



Unser erster Wasserfall des Tages ist der Week Fall.

Schon die Anfahrt ist ein kleines Abenteuer.

Wir müssen über eine ziemlich enge Schotterstraße.

Und natürlich kommt genau an dieser Stelle die fachkundige Einschätzung von der Beifahrerseite:


„Da passen wir nicht durch.“


Nun könnte man jetzt umdrehen.

Man könnte vernünftig sein.

Man könnte sich eine andere Strecke suchen.

Oder man könnte einfach schon auf der Straße stehen.


Ich entscheide mich selbstverständlich für Möglichkeit vier.

Ich bin nämlich bereits drauf.


Und siehe da: Wir passen durch!


Manchmal muss man einfach Fakten schaffen, bevor jemand anfangen kann, dagegen zu argumentieren.

Die Straße schlängelt sich durch die Natur und irgendwann erreichen wir den Week Fall.


Der Wasserfall selbst ist kein gigantisches Naturmonster wie einige der großen Fälle, die wir in diesem Urlaub gesehen haben. Aber genau das macht ihn irgendwie sympathisch.

Das Wasser bahnt sich seinen Weg durch das bewaldete Gelände und stürzt über die Felsen in die Tiefe. Rundherum ist es ruhig, grün und wunderbar naturbelassen.

Nach der frühen Fahrt ist das genau der richtige erste Stopp.

Keine Menschenmassen.

Kein Eintritt.

Keine Souvenirbuden.

Kein „Bitte bleiben Sie hinter der Absperrung“.

Einfach Natur.

Und Wasser.

Unser erster Wasserfall des Tages ist damit erfolgreich erledigt.

Jetzt kann Seattle kommen.

Na ja ...

Fast.


Nur etwa 20 Minuten später wartet bereits unser nächster Kandidat auf uns.


Der Snoqualmie Falls.


Und der macht schon bei der Anfahrt deutlich, dass er anscheinend besonders ist.

Hier kann man für schlappe 13 Dollar parken.

Für null bis zwei Stunden.


Da stellt sich natürlich sofort die Frage:

„Warum?“


Wir entscheiden uns daher für die amerikanische Variante von „Geiz ist geil“ und suchen uns einen Parkplatz am Straßenrand.

Und tatsächlich klappt das.


Von dort laufen wir Richtung Aussichtspunkt.

Wir brauchen gar nicht suchen, wo der Weg dorthin ist, wir folgen einfach den Geräuschen.


Der Wasserfall ist nämlich nicht gerade schüchtern.

Schon von weitem hören wir das Wasser donnern.

Und dann stehen wir davor.

Wow.

Der Snoqualmie Falls stürzt aus rund 82 Metern Höhe in die Tiefe.

Und das Wasser kommt dabei nicht gerade so herunter, als hätte es es eilig.

Nein.

Das Wasser rast regelrecht nach unten.


Ein gewaltiger Wasservorhang donnert in das Becken und produziert dabei einen Lärm, der einem ziemlich schnell klarmacht, dass die Natur hier eindeutig den Lautstärkeregler gefunden hat.


Wir stehen am Aussichtspunkt und schauen uns das Spektakel an.

Das ist definitiv noch einmal eine andere Hausnummer als unser erster Wasserfall heute Morgen.

Und gleichzeitig ist es ein besonderer Moment:

Unser 36. Wasserfall in diesem Urlaub.


Wenn man darüber nachdenkt, ist das schon ziemlich verrückt.


Letztes Jahr wurden wir auf eine Mission geschickt.

Wir sollten Trolle finden.

Und natürlich haben wir diese Aufgabe auch dieses Jahr nicht vergessen.


Unser Trollradar wird aktiviert.

Die Antennen werden ausgefahren.

Die Augen werden offengehalten.


Und tatsächlich:

Wir finden Jakob Two Trees.


Nach einer kurzen Wanderung stehen wir schließlich vor ihm.

Und wieder einmal fragt man sich, wie jemand auf die Idee gekommen ist, solche riesigen Wesen irgendwo in die Landschaft zu stellen.

Jakob Two Trees ist ein gigantischer Troll und gehört zu den Kunstwerken des dänischen Künstlers Thomas Dambo.

Seine Trolle bestehen größtenteils aus wiederverwendeten Materialien und sollen den Menschen dazu bringen, Kunst draußen in der Natur zu entdecken.

Und genau das funktioniert.

Man läuft durch die Gegend und plötzlich steht da ein riesiger Troll.

Als wäre das völlig normal.

Wir unterhalten uns ein bisschen mit Jakob.

Na gut ...

Er sagt nicht besonders viel.

Aber vielleicht liegt das auch daran, dass er ein Troll ist.

Wir verabschieden uns und setzen unsere Mission fort.

Denn heute soll das noch lange nicht der letzte Troll gewesen sein.


Jetzt geht es nach Seattle.

Und hier beginnt das nächste Abenteuer.

Mit unserem Dicken.

Durch eine amerikanische Großstadt.

Was soll schon schiefgehen?

Die Amerikaner haben ja bekanntlich viele Dinge groß gebaut.

Straßen zum Beispiel.

Sehr große Straßen.

Acht Spuren.

Kein Problem.

Bis plötzlich aus diesen acht Spuren gefühlt gleichzeitig fünf verschiedene Abfahrten entstehen.

Links.

Rechts.

Noch mal links.

Dann wieder rechts.

Und irgendwo dazwischen ist unsere Abfahrt.

Natürlich genau die, die man erst erkennt, wenn man eigentlich schon vorbeigefahren ist.

Also heißt es:

Ruhe bewahren.

Nicht hektisch werden.

Und einfach den Touristen spielen.

Fünf Spuren innerhalb von 200 Metern nach links?

Kein Problem.

Blinker setzen.

Beten.

Rüber.

Und noch eine Spur.

Geschafft!

Wir leben noch.

Der Dicke lebt noch.

Und erstaunlicherweise sind wir sogar noch auf dem richtigen Weg.


Dann kommen wir in die Innenstadt.

Und plötzlich wird aus „achtspurige amerikanische Straße“ ein ziemlich enger Stadtverkehr.Die Straßen werden kleiner.

Die Kurven enger. Die Parkmöglichkeiten weniger.

Und unser Camper wirkt plötzlich ungefähr so, als hätte jemand einen Reisebus mitten in einen Einkaufswagenparkplatz gestellt.

Seattle ist offensichtlich nicht unbedingt für große RVs gebaut.

Aber wir haben ein Ziel:

Pike Place Market.

Und dafür brauchen wir einen Parkplatz.

Natürlich möglichst günstig.

Denn die Parkhäuser fallen direkt aus. Unser Camper ist zu hoch.

Und auf den normalen Parkplätzen wollen sie teilweise mindestens 14 Dollar für zwei Stunden.


Also suchen wir weiter.

Und tatsächlich:

Wir finden einen Parkplatz am Straßenrand.

Perfekt.

Und das Beste:

Wir müssen nur einen Dollar bezahlen.


Wir fühlen uns für ungefähr drei Sekunden wie die größten Parkplatzprofis der Welt.


Perfekt.
Perfekt.

Wir laufen in den berühmten Pike Place Market.

Und natürlich finden wir ziemlich schnell das, wofür der Markt besonders bekannt ist: den Fischstand.

Rund um den Stand stehen sehr viele Toruisten.


Und alle warten.

Worauf?

Auf fliegende Fische.

Denn die Mitarbeiter des Fischladens werfen die Fische tatsächlich durch die Gegend.

Und die Touristen stehen da und warten darauf, dass genau das passiert.

Wir schauen uns das Schauspiel an.

Die Fische sehen wirklich gut aus.

Frisch.

Groß.

Ordentlich.

Aber der große Wow-Effekt bleibt bei uns irgendwie aus.

Vielleicht sind wir durch unsere Reisen einfach etwas verwöhnt.

In Asien haben wir Märkte gesehen, bei denen man nach zehn Minuten schon nicht mehr weiß, wo man überhaupt hinschauen soll.

Hier gibt es dagegen:

ein bisschen Fleisch,

ein bisschen Obst und Gemüse,

ein bisschen Tee,

ein paar Kräuter

und Blumen.


Und natürlich sehr viele Touristen.

Die Preise sind extrem teuer.


Nach ungefähr zehn Minuten haben wir gefühlt alles gesehen.

Aber eine Sache entschädigt dafür:

die Aussicht.

Von den Terrassen hat man einen tollen Blick.

Auf der einen Seite liegt die Waterfront mit dem Riesenrad.

Auf der anderen Seite sieht man die Skyline.

Das ist wirklich schön.

Der Markt selbst reißt uns allerdings nicht gerade aus den Schuhen.


Wir fahren weiter.

Und irgendwie ...Ja.Seattle.

Ist halt Seattle.

Vielleicht liegt es an unserem Camper.

Vielleicht an der Parkplatzsuche.

Vielleicht daran, dass wir nach all den Naturerlebnissen mittlerweile einfach andere Maßstäbe haben.

Aber so richtig haut uns die Stadt nicht aus den Füßen.

Also fahren wir weiter.

Ans andere Ende der Stadt.

Denn dort wartet etwas auf uns, das deutlich besser zu unserem heutigen Programm passt.

Ein Troll.


Unser Ziel ist das Norwegische Museum.

Und dort steht:

Frankie Feespelinter.

Schon von weitem sehen wir ihn.

Und natürlich ist auch dieser Kerl wieder riesig.

Frankie begrüßt die Besucher und wirkt dabei wie ein freundlicher Riese, der sich einfach gedacht hat:

„Ich setze mich hier mal hin und schaue, wer so vorbeikommt.“

Die Gestaltung ist wieder typisch für Thomas Dambo.

Groß.

Skurril.

Liebenswert.

Und irgendwie ein bisschen verrückt.

Genau unser Ding.

Wir bleiben eine Weile bei ihm und schauen uns den Kerl in Ruhe an.

Ein Troll neben einem Museum in Seattle?

Warum nicht?




Der Troll befindet sich ganz in der Nähe der Ballard Locks Fish Ladder.

Also fahren wir weiter.

Hier soll es wieder Seelöwen geben.

Und außerdem gibt es einen Unterwassertunnel, in dem man die Lachse beobachten kann. Kostenlos.

Das klingt schon einmal verdächtig gut.

Wir kommen an.

Steigen aus.

Und warten.

Aber von Seelöwen hören wir erst einmal ...

Nichts.

Keine Geräusche.

Kein Gebrüll.


Dafür hören wir etwas anderes.

„Ooooooh!“

Von irgendwoher.

Dann noch eins.

„Ooooh!“

Und noch eins.


Jetzt werden wir natürlich neugierig.

Was sehen die alle?

Wir gehen hin.

Und dann wissen wir es.

Robben!

Und zwar jede Menge.

Sie schwimmen direkt vor uns herum.

Eine taucht auf.

Die nächste verschwindet.

Eine schnappt sich einen Lachs.

Eine andere spielt offenbar einfach nur mit den anderen.

Es ist ein richtiges Spektakel.

Wir stehen da und können uns kaum losreißen.

Und plötzlich ist wieder genau dieses Gefühl da, das wir auf dieser Reise so oft hatten:

Wir beobachten Tiere nicht im Zoo.

Nicht hinter einer Glasscheibe.

Nicht auf einem Bildschirm.

Sondern einfach draußen.

In freier Wildbahn.

Und genau deshalb macht es so viel Spaß.

Wir sehen in diesem Urlaub also tatsächlich noch Robben.

Damit ist dieser Punkt schon jetzt ein voller Erfolg.



Danach gehen wir in den Unterwassertunnel.

Und der ist tatsächlich richtig cool.


Man läuft durch einen Tunnel und kann die Lachse direkt unter Wasser beobachten.

Große Glasscheiben geben den Blick auf die Tiere frei, während sie ihren Weg durch das Wasser ziehen.


Und überall gibt es Informationen über den Lebenszyklus der Lachse.

Besonders interessant sind die zahlreichen Beobachtungsfenster, an denen man die Entwicklung der Fische verfolgen kann.

Man bekommt dadurch einen richtig guten Eindruck davon, wie aus winzigen Fischen irgendwann ausgewachsene Lachse werden.

Für uns ist das eine perfekte Ergänzung zu dem Spektakel draußen.

Draußen jagen die Robben die Lachse. Drinnen lernen wir etwas über die Lachse.


Die Lachse haben heute also eindeutig einen schlechten Tag erwischt.


Wir dagegen schon wieder einen ziemlich guten.



Jetzt steht nur noch unser letzter Punkt an.

Und natürlich wird auch die Fahrt dorthin nicht langweilig.

Der Verkehr wird immer dichter.Wir fahren zum Lincoln Park.

Der Park selbst ist kostenlos.Die Parkplätze ebenfalls.


Allein dafür gibt es von uns schon einmal einen Daumen nach oben.

Wir steuern Parkplatz Nummer 2 an.

Von dort verläuft der Weg direkt am Wasser entlang.

Und hier wird es wieder richtig schön.

Wir laufen auf den Steinen am Wasser entlang.

Schauen uns die Muscheln an.

Atmen die frische Luft ein.

Kein Verkehrslärm.

Keine achtspurige Autobahn.

Keine fünf Abfahrten gleichzeitig.

Einfach Wasser und Natur.

Wir halten Ausschau nach Walen.

Vielleicht noch eine Robbe?

Aber nichts.

Heute will offenbar kein Wal mehr mit uns reden.

Dann passiert etwas anderes.

Urplötzlich taucht er auf.

Damit konnte natürlich niemand rechnen.


Bruun Idun ist nicht einfach nur irgendein Troll.

Nein. Der Gute macht Musik.

Mit seiner Flöte.

Und zwar direkt am Wasser.

Wir stehen vor ihm und schauen uns diesen riesigen Kerl an.

Dann beginnt die Musik.

Und Jule?

Fängt natürlich sofort an zu tanzen.

Was auch sonst?

Wir haben mittlerweile gelernt:

Wenn irgendwo ein Troll Musik macht, kann man Jule nicht einfach danebenstehen lassen.

Also wird getanzt.

Und das Beste:

Wir sind fast ungestört.

Keine riesige Touristengruppe.

Keine Menschenmassen.

Keiner schaut uns komisch an.

Na gut ...

Vielleicht schaut uns Bruun Idun ein bisschen komisch an.

Aber der ist ein Troll.

Der darf das.

Wir verbringen hier eine richtig schöne Zeit.

Und dann wird uns bewusst:

Das ist unser Troll Nummer 26.


Und ausgerechnet dieser musikalische Kerl wird unser letzter Troll des Urlaubs.

Was für ein Abschluss.


Eigentlich hätte ich jetzt noch einen persönlichen Wunsch.

Lowe’s.

Ich wollte meinen Traumgrill noch einmal sehen. Noch einmal davorstehen.Vielleicht sogar einmal traurig winken.

Man muss schließlich Abschied nehmen.


Aber natürlich gibt es keinen Lowe’s mehr in unserer Fahrtrichtung.

Das Schicksal ist grausam.

Dafür gibt es noch einen Home Depot.

Na gut.

Dann eben Home Depot.

Und wenn man schon einmal dort ist, muss man natürlich noch einmal in die Halloween-Abteilung.

Wir schauen uns die komplette Auswahl an.

Obwohl ...

Vor zwei Jahren war das irgendwie gigantischer.

Damals hatte man das Gefühl, die Amerikaner hätten beschlossen, Halloween sei kein Feiertag, sondern ein kompletter Wirtschaftszweig.

Dieses Mal ist es zwar immer noch ordentlich.

Aber wir sind ein bisschen enttäuscht.

Trotzdem wird natürlich ausgiebig geguckt.

Man muss schließlich vergleichen.


Kurz vor 16 Uhr erreichen wir unseren Campingplatz.

Leider gibt es in der Stadt nicht gerade eine riesige Auswahl an Campingplätzen.

Also hatten wir keine große Wahl.

Der Platz ist ...

Nun ja.

Sagen wir es freundlich:

Er ist funktional.

Schön ist anders.

Aber dafür hat er alles, was wir brauchen.

Sogar einen beheizbaren Pool.

Und vor allem:

super Duschen.

Und dann bekomme ich wieder einmal die undankbarste Aufgabe des Tages.

Ich muss raus.

Und Spareribs grillen.

Jule dagegen muss drinnen bleiben.

Warum?

Koffer packen.

Und weil man zum Kofferpacken natürlich den gesamten Camper benötigt, darf ich draußen bleiben.

Ich.

Der Grill.

Die Spareribs.

Und mein Kaltgetränk.

Es gibt Schlimmeres.

Also setze ich mich draußen hin, passe auf das Fleisch auf und mache das, was Männer angeblich am besten können:

Feuer bewachen.

Fleisch drehen.

Und dabei so aussehen, als wäre das eine lebenswichtige Aufgabe.

Irgendwann ist Jule tatsächlich fertig.

Und dann kommt der wichtigste Moment des Tages:

Essen.

Wir setzen uns hin und knabbern das saftige Fleisch direkt von den Knochen.

Und genau so muss ein letzter Grillabend aussehen.

Kein schickes Restaurant.

Kein großes Menü.

Einfach Spareribs, ein Kaltgetränk und ein langer Tag hinter uns.

Danach nutzen wir noch die Duschen auf dem Campingplatz.

Und ich muss sagen: Es ist doch ein anderes Gefühl.


Aber ...Viel Platz zum Drehen hatte man nun wirklich nicht.

Hier dagegen können wir uns bewegen.Wir können uns drehen.

Wir können die Arme ausstrecken.Wir können duschen, ohne dabei gleichzeitig mit drei Wänden und der Tür zu verhandeln.

Luxus!

Und so endet unser Tag.

Unser letzter großer Tag in diesem Urlaub.

Wir hatten einen Sonnenaufgang.

Zwei Wasserfälle, Seattle, Pike Place Market, Robben, Lachse, drei Trolle, Halloween im Baumarkt und Spareribs.

Und zum krönenden Abschluss eine Dusche, in der man sich tatsächlich drehen konnte.

Mehr kann man aus einem vorletzten Urlaubstag eigentlich kaum herausholen.

Und während wir später im Camper liegen, wird uns langsam bewusst:

Morgen ist wirklich der letzte Tag.

Der letzte Morgen.

Das letzte Frühstück.

Die letzten Kilometer.

Und irgendwann heißt es Abschied nehmen von unserem Dicken.

Aber heute noch nicht.

Heute endet unser vorletzter Tag genau so, wie er sein sollte:

satt, sauber, müde und ziemlich glücklich.

Einfach ein perfekter Abschluss für einen wirklich tollen Urlaub.


Als wir im Bett liegen, geschieht noch was komplett unbekanntes in diesem Urlaub.


Es regnet.

Das erste Mal seit 3 Wochen.

Mensch Petrus, du musst doch nicht weinen, du darfst uns in drei Monaten wieder mit traumwetter beglücken und wirst von uns feierlich hoch gelobt.


unsere Strecke von heute.
unsere Strecke von heute.

Gefahrene Kilometer: 281





 
 
 

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