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Tag 22 - Rückflug nach Berlin

vor 3 Tagen
9 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 7 Stunden

Freitag, der 25. September 2026

Nach diesem wirklich tollen letzten Tag gestern heißt es heute tatsächlich: Abschied nehmen.


Und zwar nicht einfach nur ein bisschen Abschied nehmen und gemütlich nach Hause fahren. Nein. Wir haben noch einmal das volle Programm vor uns: Camper abgeben, Flughafen, Warten, Lounge, Flugzeug, noch mehr Flughafen, noch mehr Lounge, noch ein Flugzeug und irgendwann – hoffentlich – wieder pünktlich in Berlin.


Insgesamt liegen mehr als 24 Stunden Reise vor uns.

Man könnte also meinen, dass wir gemütlich ausschlafen.


Aber nicht mit Jule.


Jule hat den Wecker auf 6 Uhr gestellt.


Wir hätten theoretisch auch um 7 Uhr aufstehen können. Oder um 7:30 Uhr. Oder eigentlich sogar noch später. Aber Jule hatte Angst, dass wir sonst nicht alles schaffen.


Ich habe ihr natürlich erklärt, dass wir unmöglich drei Stunden brauchen, um unsere Sachen zusammenzupacken und einen Camper zu verlassen.

Aber auf mich hört ja keiner.


Also klingelt um 6 Uhr der Wecker und Jule steht wahrscheinlich mit dem Gefühl auf, dass wir spätestens 6:07 Uhr von einem SEK-Kommando aus dem Camper evakuiert werden müssen.


Ich dagegen sehe das Ganze etwas entspannter.

Schließlich haben wir noch einen halben Tag Zeit, bevor überhaupt unser Flugzeug startet.


Bis 8 Uhr sind dann tatsächlich alle restlichen Sachen in den Koffern verstaut und der Camper ist besenrein.

Wobei „besenrein“ bei Jule bedeutet: Es sieht so aus, als hätte niemand darin gewohnt.

Den hinteren Bereich betreten wir jetzt nicht mehr.

Nicht, das noch ein Krümmel auf den Boden fällt.



Noch einmal das komplette Wasser ablassen, Frischwasser einfüllen und dann heißt es: Los geht's.

Ich suche noch schnell die günstigste Tankstelle heraus und wir tanken ein allerletztes Mal.

Das werden wir übrigens überhaupt nicht vermissen.


An der Tankstelle gibt es außerdem ein Limit von 75 Dollar.

Da wir komplett leer sind, müssen wir also mehrmals tanken.

Wir stehen dort und machen praktisch einen Tankstellen-Marathon.

Tanken.

Karte.

75 Dollar.

Noch einmal tanken.

Karte.

Wieder 75 Dollar.

Tanken.

Karte.

Wieder 75 Dollar.

Und noch einmal tanken.


Und irgendwann fragt man sich, ob man eigentlich gerade einen Camper betankt oder versucht, die amerikanische Staatsverschuldung eigenhändig abzubauen.



Jetzt ist es nur noch ein Katzensprung bis El Monte.


Und es ist gerade einmal 9 Uhr.


Ich sagte doch gleich, dass wir viel zu früh dran sind, wenn man um 6 Uhr aufsteht. Jule wollte Sicherheit.


Die haben wir jetzt.


Wir könnten wahrscheinlich noch gemütlich frühstücken, einen Tagesausflug machen und anschließend wieder zurückkommen und wären immer noch pünktlich.

Aber gut.


Also den Dicken eingeparkt, die Koffer rausgeholt und ein letztes Mal Tschüss gesagt.

Das ist tatsächlich ein komisches Gefühl.

Unser Zuhause auf vier Rädern steht da und wir wissen: Das war's.

Jetzt wird er wieder jemand anderem gehören.

Hoffentlich jemandem, der genauso viel Freude mit ihm hat wie wir.



El Monte ist noch komplett leer.


Was natürlich hervorragend ist, denn so hat der Mitarbeiter alle Zeit der Welt, unseren Camper bis ins kleinste Detail zu untersuchen.


Ich sehe mich innerlich schon irgendwelche Kratzer erklären, von denen ich vorher noch nie gehört habe.

Aber nichts.

Gar nichts.

Keine Mängel.

Der Dicke hat die Prüfung bestanden.

Unser amerikanischer Reisebegleiter geht also ohne Beanstandung zurück.


Wir müssen lediglich noch die 15 Stunden Generatornutzung bezahlen.

Aber auch hier haben wir Glück: Die Kosten werden mit dem Schlüssel verrechnet, den wir neu erwerben mussten.

Und plötzlich hält sich die Rechnung für den Generator sehr in Grenzen.


Jule holt sich noch einen Kaffee und ich bestelle uns ein Uber.

Dieses ist tatsächlich nach drei Minuten da.

Drei Minuten!

Der Fahrer hätte sich ruhig ein bisschen mehr Zeit lassen können.

Denn ab jetzt haben wir davon mehr als genug.

Wir steigen ein und 15 Minuten später sind wir am Flughafen.


Es ist noch nicht einmal 10 Uhr.


Unser Flug geht um 17:40 Uhr.



Wir haben also nur ungefähr siebeneinhalb Stunden zu überbrücken.

Das ist wirklich sehr viel Zeit.


Der Flughafen ist ungefähr so gemütlich wie ein Wartezimmer beim Zahnarzt.

Die Kofferschalter sind natürlich noch geschlossen.

Self-Check-in?

Nicht bei internationalen Flügen.

Sitzplätze?

Theoretisch vorhanden.

Praktisch wahrscheinlich gerade von einer ausgestorbenen Dinosaurierart reserviert.

Vor der Sicherheitskontrolle gibt es einen 7-Eleven.

Das war's.

Wir schauen uns an.

Was macht man jetzt sieben Stunden lang?

Richtig.

Warten.

Und zwar professionell.

Wir setzen uns irgendwann draußen hin.

Und genau in diesem Moment denkt sich Petrus offenbar:

„Ach, die sind jetzt fertig mit Urlaub? Dann kann ich ja endlich loslegen.“


Und plötzlich regnet es.

Nicht ein bisschen.

Nicht romantisch.

Nicht „ach, ein kleiner Schauer“.

Nein.

Es schüttet.


Als hätte Petrus persönlich auf unseren Abflug gewartet und die letzten Wochen ein Wasserreservoir aufgebaut.

Und dieser Regen soll tatsächlich bis kurz vor unserem Abflug nicht mehr aufhören.

Das Timing ist wirklich perfekt.

Während wir unterwegs waren:immer perfektes Wetter.

Sobald wir abreisen: Weltuntergang.

Danke, Petrus.

Sehr aufmerksam.

Wir ergattern uns drin noch per Zufall zwei Plätze. Eigentlich sind alle Sitzmöglichkeiten nur für Behinderte, aber da sich der Rest auch nicht daraum schert und man nicht auf den kalten Boden sitzen will, ist es verständlich.


Irgendwann ergattern wir drinnen per Zufall zwei Sitzplätze.

Eigentlich sind diese Plätze nur für Menschen mit Behinderung vorgesehen.

Aber da sich der Rest des Flughafens ebenfalls nicht sonderlich darum schert und offensichtlich niemand Lust hat, auf dem kalten Boden zu sitzen, schließen wir uns dem allgemeinen Chaos an.

Und so sitzen wir da.

Und warten.

Und warten.

Und warten.

Bis 14 Uhr.

Es war sehr langweilig.

Dann passiert endlich etwas:

Der Finnair-Schalter öffnet.

Und wir stürmen los.

Man könnte meinen, es geht um die letzten Plätze auf der Titanic.


Dabei wollen wir eigentlich nur unsere Koffer loswerden.

Vier Stück.

Alle abgeben.

Und genau in dem Moment, in dem die Koffer auf dem Förderband verschwinden, passiert etwas Magisches.

Man fühlt sich plötzlich um einiges entspannter.

Jetzt geht es zur Sicherheitskontrolle.

Die Lounge wartet.


Die Passkontrolle in den USA ist bei der Ausreise wie immer erstaunlich schnell.

Offenbar möchte man uns möglichst schnell loswerden.

Wir haben nichts dagegen.


Auch die Sicherheitskontrolle geht flott.


Danach geht es mit der U-Bahn zum Gate S.

Dort soll sich die beste Lounge befinden.

Das wissen offenbar nicht nur wir.

Denn die Lounge ist voll.

Richtig voll.

So voll, dass wir einen Code scannen müssen und auf einen Platz auf der Warteliste erhalten.

Die nette Dame am Empfang sagt etwas von ungefähr 20 Minuten.

20 Minuten?

Das klingt machbar.

Hoffentlich meint sie nicht 20 Minuten in amerikanischer Werkstatt-Zeitrechnung.

Jule freut sich trotzdem.

Denn sie kann jetzt ein bisschen in den Shops stöbern.

Nach exakt 19 Minuten bekomme ich tatsächlich eine Mail:

Wir dürfen rein!

Wir haben jetzt zehn Minuten Zeit.

Zehn Minuten, um uns von der Warteliste in die Lounge zu bewegen.

Das lassen wir uns natürlich nicht zweimal sagen.

Wir stürmen los.

Die Lounge wird betreten, Plätze werden gesucht und anschließend wird das Buffet inspiziert.

Und das Buffet ist wirklich gut.

Es gibt viel indisches Essen.

Zum Glück nicht scharf.


Denn wir haben Hunger, aber wir wollen unseren Rückflug nicht damit verbringen, unsere Organe durch die Nase zu schwitzen.


Getränke gibt es ausschließlich an der Bar.

Und wie bei den Amerikanern üblich:

Eis.

Sehr viel Eis.

Wenn man einen halben Liter Getränk bestellt, bekommt man gefühlt 100 Milliliter Getränk und 400 Milliliter Eis.

Das Getränk muss man dann zwischen den Eiswürfeln suchen.

Aber gut.


Das Essen ist super, die Getränke sind kalt, die Plätze bequem und die Atmosphäre angenehm.

Die Lounge hat sich also definitiv gelohnt.



Um 17 Uhr machen wir uns endlich auf den Weg zu Gate S3.

Das Flugzeug steht schon da.

Die Crew ist ebenfalls unterwegs.

Das sieht doch alles sehr vielversprechend aus.

Dann dürfte ja eigentlich nichts mehr schiefgehen.

Eigentlich.

Das Wetter ist inzwischen wieder fantastisch.

Blauer Himmel.

Sonne.



Nur hat es ungefähr eine Stunde vorher so heftig geregnet, dass zwischenzeitlich keine Flugzeuge starten konnten.

Und wenn eine Stunde lang niemand startet, passiert am Flughafen etwas ganz Verrücktes:

Alle Flugzeuge warten.

Und zwar gleichzeitig.

Heißt:

Eine Stunde Verspätung.

Zum Glück haben wir in Helsinki genügend Puffer für den Weiterflug.

Also bleiben wir entspannt.

Irgendwann dürfen wir ins Flugzeug.

Und dann beginnt der Teil der Reise, auf den wir uns besonders freuen:

Premium Economy.

Und tatsächlich:

Die Sitze sind bisher die besten, die wir hatten.

Beinlehne!

Eine richtige Beinlehne!

Man sitzt da und denkt sich sofort:

Warum bin ich eigentlich mein ganzes Leben Economy geflogen?

Dazu gibt es Nackenkissen statt des normalen Flugzeugkissens.




Auch die Filmauswahl ist hervorragend.

Getränke können wir nach dem Start sogar über das Entertainment-System bestellen.

Für uns ist fast alles kostenlos.

In der Holzklasse muss man für fast alles bezahlen.

Außer beim Essen, da bekommt man ein Getränk.




Als das Boarding abgeschlossen ist, schaue ich mich einmal um.

Die Business Class ist nur ungefähr zur Hälfte voll.

Economy ebenfalls.

Premium Economy dagegen ist komplett ausgebucht.


Und damit bestätigt sich tatsächlich ein Bericht, den ich vor einiger Zeit gelesen habe.

Die Airlines stellen offenbar fest, dass dieser Bereich zwischen Economy und Business immer beliebter wird.

Kann ich nachvollziehen.

Man bekommt mehr Platz, bessere Sitze und einige Annehmlichkeiten, ohne gleich das Konto der nächsten drei Generationen zu verpfänden.


Irgendwann rollen wir los.

Neben uns sehen wir die lange Schlange der Flugzeuge, die auf den Start warten, aber es geht erstaunlich schnell voran.

Und dann sind wir endlich in der Luft.

Die Flugzeit beträgt 9:15 Stunden.


Vor dem Start bekommen wir allerdings weder ein Begrüßungsgetränk noch eine Essenskarte.

Das sind wir anders gewohnt.

Aber gut. Wir sind schließlich gerade erst losgeflogen.

Vielleicht müssen wir uns das Vertrauen erst verdienen.


Bald bekommen wir dann endlich den berühmten Blaubeersaft.

Und ich muss sagen: Der ist wirklich ausgezeichnet.

Ich weiß nicht, was die Finnen mit Blaubeeren machen, aber es funktioniert.



Kurz danach gibt es Abendessen.

Jule nimmt Fisch.

Ich nehme Beef.

Und dann beginnt die kulinarische Enttäuschung des Tages.

Beides schmeckt nicht wirklich.

Eigentlich schmeckt es sogar ziemlich schlecht.

Nach über zehn Jahren Flugerfahrung können wir inzwischen einiges an Flugzeugessen beurteilen.

Und dieses hier schafft es tatsächlich auf den letzten Platz (für eine große Airline).

Die restliche Zeit verbringen wir mit Schlafen und Filme gucken.

Zwischendurch schauen wir immer mal wieder auf die Flugkarte.


Kurz vor der Landung gibt es Frühstück.

Diesmal allerdings nicht auf richtigem Geschirr.

Holzbesteck.

Das Frühstück sieht viel besser aus, als es schmeckt.



Dann landen wir sicher in Helsinki.

Das erste Mal, dass ich in Finnland bin. Leider reicht es nicht zum Aufrubbeln.


Der Flug selbst war sehr ruhig und angenehm.

Die Sitze waren ausgezeichnet.

Aber beim Essen und beim allgemeinen Service in der Premium Economy hätte ich mehr erwartet.

Da muss ich sogar zugeben:

Lufthansa ist da um einiges besser.

Und das soll wirklich etwas heißen.


In Helsinki stürmen wir direkt wieder die Lounge.

Die Beste befindet sich im internationalen Terminal.

Zum Glück sind wir genau dort gelandet.


Bei der Plaza Premium Lounge gibt es zwei Eingänge.

Einer ist für Business-/First-Class-Tickets und Amex-Platin-Karteninhaber.

Der Andere ist für alle, die einen Lounge Pass haben, bezahlen oder Mitglied sind. Und genau dort ist natürlich eine Schlange.


Ich mag vieles.

Lounge-Essen.

Kostenlose Getränke.

Bequeme Sessel.

Aber Anstehen gehört nicht dazu.


Also nehmen wir den Eingang für Platin-Karteninhaber. Problem gelöst.


Die Auswahl ist okay.

Aber umgehauen hat sie uns nicht.

Dafür sind wir hier fast alleine.

Und das ist ja auch etwas wert.


Für Cocktails müssten wir hier allerdings bezahlen.

Bis jetzt waren die immer kostenlos.




15:30 Uhr verlassen wir die Lounge und laufen zur Passkontrolle (wir sind ja noch im internationalen Bereich).


Bei den Finnen wird Grenzkontrolle sehr lustig geschrieben.



Wir entdecken auf dem Weg auch noch einen neuen Freund.

Jule findet ihn natürlich sofort großartig.

Leider ist er etwas zu groß für das Handgepäck,sonst wäre er jetzt wahrscheinlich schon mit uns in Berlin.


Als wir den nationalen Bereich betreten, trauen wir unseren Augen nicht.


Eine -ungelogen- Kilometer lange Menschenschlange. Sie stehen vor der Passkontrolle zum internationalen Bereich an.


Sowas habe ich beim Umsteigen ja noch nie erlebt. Für mich ist jetzt schon klar, dass ich Finnland nicht als Umsteigeflughafen (jedenfalls nicht auf den Hinflug) nehmen werde.


Zum Glück müssen wir uns da nicht anstellen. Ich wüsste ja, wie meine Laune nach 10 Sekunden wäre.

Am Gate ist schon alles vorbereitet für das Boarding und wir kommen mit als erstes rein und nehmen Platz. Gleich hat uns Berlin wieder.



Den Start und die erste Stunde verschlafe ich komplett, bis Jule mich weckt. Es gibt noch einmal Blaubeersaft. Okay, dafür darf ich auch geweckt werden.


17:29 Uhr ( mittlerweile Samstag, der 26. September) landen wir dann endlich. Berlin hat uns wieder!


Ganz gemütlich laufen wir zum Kofferband und kommen perfekt an. Nach 5 Minuten warten, haben wir unsere vier Koffer und stürmen raus.


Dort wartet netterweise der Dongi auf uns und fährt uns sicher nach Hause.


Da werden wir auch gleich von Gini begrüßt.


Wir trinken noch ein Begrüßungsbier. Vielen Dank für das Abholen Bruderherz.



Wenn man wieder zu Hause ist, freut man sich dann tatsächlich auch wieder.


So schön ein Urlaub auch ist – irgendwann ist das eigene Bett eben doch unschlagbar.


Damit ist unser Urlaub jetzt hochoffiziell beendet.


Es war ein großartiger Urlaub.

Ein Urlaub, an den wir uns noch sehr lange erinnern werden.

Jetzt heißt es erst einmal:

Koffer auspacken, Wäsche waschen und duschen gehen.

Und wahrscheinlich ungefähr drei Tage lang behaupten, dass wir überhaupt keinen Jetlag haben.

Ob das funktioniert?

Natürlich nicht.

Aber auf mich hört ja sowieso keiner.


die Ministrecke von heute
die Ministrecke von heute

Gefahrene Kilometer: 35





 
 
 

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