Tag 3 - Pinnacles Nationalpark
- Tobi

- vor 2 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
Sonntag, der 6. September 2026
"Wir werden ungeschlagen sein, 100 Punkte, Hertha BSC, 100 Punkte BSC!"
Hertha gewinnt wieder. In dieser noch sehr jungen Saison haben sie bis jetzt alle 5 Pflichtspiele gewonnen und da Berliner ja zum Größenwahn neigen, ist es doch ganz klar, dass wir diese Saison ungeschlagen 1. werden.
Nun kann es zum eigentlichen Bericht kommen:
Mit einem traumhaften Sternenhimmel im Gepäck und dem Duft eines imaginären Grillfests (mit dem Grill von gestern) im Kopf schliefen wir die erste Nacht in unserer rollenden Bude wie die Murmeltiere. Doch um kurz vor fünf war die Nacht vorbei. Mein biologischer Wecker klingelte. Jule schob es – wie immer – auf den Jetlag. Ich hielt dagegen: Reines Hertha-Liveticker-Fieber! Wir alle wissen, wer Recht hatte.
Da mein Herumgewusel die Dezentralisierung des Schlafes vorantrieb, war Jule kurz darauf auch wach. Perfekt, wir sind schließlich nicht zum Vergnügen hier! Die Heizung blieb aus, wir ließen einfach den Motor des Campers den Dicken aufwärmen und steuerten direkt in unseren allerersten Nationalpark.

Der Park empfing uns verschlafen, die Schranken waren offen, keine Kontrolle weit und breit. Am Trailhead angekommen, spielten wir das Spiel „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“. Es gab exakt sieben RV-Parkplätze. Wir ergatterten einen davon, kochten Kaffee und beobachteten beim Frühstück amüsiert das Treiben draußen. Die restlichen sechs Plätze füllten sich im Minutentakt – allerdings nicht mit Wohnmobilen, sondern mit Kleinstwagen. Warum? Weil man von dort aus exakt 150 Meter weniger zum Wanderweg läuft als vom gähnend leeren Riesen-Parkplatz nebenan.
Hätte ich eine Stunde länger geschlafen, hätten wir wegen der Faulheit der Kleinwagen-Fraktion unverrichteter Dinge weiterfahren müssen.

Wir haben uns gestern für den Moses Spring Trail und den Rim Trail entschieden. Dieser hat eine Länge von 3 Kilometern und soll easy bis moderat sein.
Voll motiviert geht es los und wir haben gleich zwei Begleiter.



Noch brauchen wir eine Jacke, doch die Sonne kommt immer mehr raus und es wird ein perfektes Wanderwetter werden.
Der Weg ist sehr schön und einfach zu laufen. Wir haben tolle Aussichten auf die Berge und Felsen.
Der Weg wird immer besser. Wir laufen durch Tunnel in den Felsen oder müssen eine ganz schmale Treppe hoch laufen. Es macht richtig Spaß und die Aussicht wird immer besser.
Dann erreichen wir den See und sind überwältigt. So wunderschön. Das Wetter ist perfekt und die Sonne scheint auf uns. Danke lieber Petrus.
Nachdem wir mit dem Staunen fertig sind, muss ich Flyspy noch hochschicken. Dieser Ort wurde ja Quasi für ihn erschaffen (nein, nicht umgedreht, schließlich gab es vor der Natur schon Drohnen, weiß man doch).
Was für ein toller Ort und was für ein Anfang unseres Trips.
Euphorisch laufen wir den Rim Trail entlang und werden weiterhin mit tollen Aussichten und super Wegen belohnt. Wie haben wir das vermisst.
Wieder am Parkplatz angekommen, überlegen wir noch, ob wir einen weiteren Trail laufen.
Doch wir wollen lieber in die Richtung fahren, wo wir uns bald eine ganze Woche aufhalten werden.

Wir fahren wieder zum Ausgang und stellen fest, dass der Park voll ist und deswegen gesperrt wurde. Man kommt nur noch zum Visitor Center. Da haben wir ja alles richtig gemacht.
Beim rausfahren werden wir auch nach unserem Annualpass gefragt. Den haben wir ja selbstverständlich.
Wir geben ins Navi unser Maximalziel ein und wählten die landschaftlich schönere Route – nur 6 Meilen und 20 Minuten länger als die öde Autobahn. Die ersten 60 Meilen jagten wir den Camper mutterseelenallein durch die Serpentinen der Curry Mountains. Danach folgten 50 Meilen landwirtschaftliche Endzeitstimmung: Kernobstplantagen, Zitrusbäume, Wein, Baumwolle sowie
Zwiebelfelder, gefühlt so groß wie ganz Berlin. Über 20 Meilen hinweg filterte unsere Nase ausschließlich feinstes Zwiebelaroma.
Wir kommen super voran und in der letzten größeren Stadt gehen wir noch einmal einkaufen. Im Schatten sind es 29 Grad und keine Wolke am Himmel.
Danach fahren wir noch an paar schöne Seen vorbei und dann haben wir unseren Punkt erreicht, wo wir überlegen was wir machen.





Entweder wir suchen uns hier ein Schlafplatz oder wir fahren schon in den Nationalpark.
Da es in dieser Umgebung kaum Wildcampingplätze gibt und die Campgrounds alle voll sind, fällt die Entscheidung sehr einfach.
30 Minuten später standen wir am Eingang des Sequoia Nationalparks. Die Rangerin würdigte uns keines Blickes und forderte direkt 135 Dollar Eintritt. Nicht mit uns! Ich zog den 80-Dollar-Pass aus der Tasche wie ein Sheriff seinen Revolver. Ihr staunender Blick? Unbezahlbar.
Doch dann kam der Moment, in dem Jule plötzlich ganz spitze Ohren bekam. Die Rangerin erklärte uns seelenruhig, dass ab einem bestimmten Punkt Schluss für uns sei. Maximale Fahrzeuglänge: 22 Fuß. Die Kurven seien zu eng und zu steil. Unser Camper misst 25 Fuß – also gut 1,30 Meter Überschuss.
Wir passierten das Eingangsschild für das obligatorische Beweisfoto, während in Jules Kopf bereits die Alarmglocken schrillten. „Wie geht es weiter?“, wollte sie wissen. Mein Plan: Erstmal zum Campground, da dürfen wir noch hin.


Wir hatten Glück, ergatterten einen Stellplatz mitten in der Wildnis, schmissen den Grill an und genossen das perfekte Fleisch. Doch selbst beim Essen ließ Jule nicht locker. Mein unerschütterlicher Optimismus sagt: Das passt schon durch die Kurven! Als diplomatischer Kompromiss wurde beschlossen: Morgen stehen wir auf, noch bevor die Sonne überhaupt an Aufstehen denkt. Die Hoffnung stirbt zuletzt, dass um die Uhrzeit niemand unterwegs ist und wir einfach beide Spuren der Passstraße für uns beanspruchen können. Was soll schon schiefgehen? Jetzt zählen wir erst einmal wieder Sternschnuppen unter dem gigantischen Nachthimmel (ich bin bei 82, Jule behauptet 87).
Ein grandioser Tag geht zu Ende – und morgen schauen wir mal, ob wir die Mammutbäume knacken oder der Camper in den engen Kurven stecken bleibt.


Gefahren Kilometer: 335



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