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Tag 17 - Mount Rainier Nationalpark

vor 2 Tagen
12 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 8 Stunden

Sonntag, der 20. September 2026

Uns war bereits gestern klar: Wenn wir heute auch nur den Hauch einer Chance haben wollen, den Mount Rainier ohne kilometerlange Autoschlangen und Menschenmassen zu erleben, müssen wir früh aufstehen. Sehr früh. Also zu einer Uhrzeit, zu der selbst die Sonne noch schläft und vermutlich darüber nachdenkt, ob sie sich nicht einfach noch einmal umdrehen soll.


Um 5:15 Uhr klingelt der Wecker.


Zehn Minuten später sind wir startbereit. Wie wir das geschafft haben, wissen wir selbst nicht so genau. Wahrscheinlich übernimmt der Körper in solchen Momenten einfach automatisch, während der Kopf noch irgendwo zwischen Tiefschlaf und Arbeitsverweigerung festhängt.


Jetzt ganz entspannt in den Nationalpark fahren, einen Parkplatz aussuchen und den Sonnenaufgang genießen?


Pustekuchen!


Diese geniale Idee hatten offenbar noch mindestens hundert andere Menschen. Schon im Dunkeln rollen vor und hinter uns zahlreiche Autos in Richtung Nationalpark. Wir fragen uns ernsthaft, ob hier heute Morgen ein geheimes Treffen stattfindet, zu dem wir versehentlich eingeladen wurden.


Zum Glück haben wir uns die ersten Aussichtspunkte bereits gestern angesehen. So können wir ohne schlechtes Gewissen daran vorbeifahren und direkt Kurs auf den Reflection Lake nehmen. Draußen ist es noch stockdunkel, und außer den Scheinwerfern der anderen Autos und den schemenhaften Umrissen der Bäume ist kaum etwas zu erkennen.


Als wir am Parkplatz ankommen, ist dieser bereits erstaunlich gut gefüllt. Offenbar gibt es noch mehr Menschen, die freiwillig mitten in der Nacht aufstehen, um einen Berg anzuschauen. Verrückte Welt.

Aber wir haben Glück und finden noch einen Platz. Also stellen wir uns hin, schauen nach draußen und warten darauf, dass die Natur endlich mit ihrer Show beginnt.


Die Sonne lässt bereits langsam erahnen, dass sie sich demnächst blicken lassen möchte, aber ungefähr 20 Minuten haben wir noch. Perfekt! Genug Zeit, um zu duschen und Zähne zu putzen. Denn wenn man schon mitten in der Wildnis einen spektakulären Sonnenaufgang erlebt, dann wenigstens frisch geduscht.



Dann beginnt das Spektakel.


Der Himmel ist völlig klar. Keine einzige Wolke ist zu sehen, die uns die Aussicht verderben könnte. Langsam trifft das erste Licht der aufgehenden Sonne auf die Spitze des Mount Rainier. Innerhalb weniger Augenblicke beginnt der schneebedeckte Gipfel in einem intensiven Rot-Orange zu leuchten.


Es sieht aus, als hätte jemand die Spitze des Berges angezündet.

Nur eben auf die schöne, ungefährliche und ausgesprochen fotogene Art.


Während die Landschaft ringsherum noch im kühlen Schatten liegt, strahlt der Gipfel bereits wie eine riesige glühende Krone. Das ruhige Wasser des Reflection Lake spiegelt den Berg und die warmen Farben des Himmels. Alles ist still - abgesehen vom gelegentlichen Klicken der Kameras und vermutlich hundert Menschen, die gleichzeitig versuchen, besonders leise "Wow!" zu sagen.


Das frühe Aufstehen hat sich definitiv gelohnt. Wir sind vollkommen überwältigt. Genau so haben wir uns diesen Moment vorgestellt.



Und weil ein Sonnenaufgang bekanntlich noch besser wird, wenn man dabei etwas essen kann, genießen wir das Schauspiel bei einem leckeren Rühreifrühstück. Andere stehen frierend mit ihren Kameras am See. Wir sitzen gemütlich da, essen Rührei und betrachten einen rot leuchtenden Vulkan.


Manchmal läuft es einfach.

Während die Sonne immer höher steigt, wird auch der Nationalpark zunehmend voller. Gefühlt steuern inzwischen alle Menschen im Bundesstaat Washington das Visitor Center an, an dem wir gestern waren. Eigentlich würde uns schon interessieren, wie der Parkplatz dort kurz nach 7 Uhr aussieht. Vermutlich wie ein schlecht organisiertes Tetris-Spiel aus Wohnmobilen, Mietwagen und verzweifelten Parkplatzsuchenden.


Der Umweg ist es uns dann aber doch nicht wert.

Der Mount Rainier National Park lässt sich grob in drei große Bereiche unterteilen:


Paradise, Stevens Canyon und Sunrise. Jeder Abschnitt zeigt eine andere Seite des Parks und bietet seine ganz eigenen Landschaften.


Paradise ist der bekannteste und meistbesuchte Teil des Nationalparks. Der Name ist hier wirklich Programm: Grüne Bergwiesen, Wildblumen, Wasserfälle und spektakuläre Ausblicke auf den Mount Rainier sorgen dafür, dass man gefühlt alle 200 Meter anhalten möchte. Hier befindet sich auch das große Visitor Center, und zahlreiche Wanderwege führen durch die alpine Landschaft. Paradise ist wunderschön - allerdings ist man mit dieser Meinung nicht allein. Entsprechend voll sind Straßen, Parkplätze und Wanderwege.


Stevens Canyon ist dagegen deutlich ruhiger und ursprünglicher. Die Straße führt durch dichte Wälder, an steilen Felswänden entlang und vorbei an Wasserfällen, Schluchten und Aussichtspunkten. Der Mount Rainier zeigt sich hier aus anderen Perspektiven, und die Landschaft verändert sich ständig. Es gibt zwar weniger berühmte Hauptattraktionen als in Paradise, dafür aber auch weniger Menschen, weniger Parkplatzstress und mehr Gelegenheit, die Natur tatsächlich zu genießen.


Sunrise liegt auf der nordöstlichen Seite des Mount Rainier und ist normalerweise der höchstgelegene Punkt im Park, den man mit dem Auto erreichen kann. Von dort hat man einen besonders guten Blick auf die Gletscher und die felsige Ostseite des Berges. Leider können wir den Abschnitt heute nicht vollständig erkunden: Wegen eines Waldbrandes sind große Teile der Straße gesperrt. Lediglich sieben Kilometer sind befahrbar.


Aber sieben Kilometer sind sieben Kilometer. Und wenn eine Straße offen ist, dann fahren wir sie natürlich auch.

Zunächst starten wir in Richtung Stevens Canyon.


Schon nach wenigen Minuten ist klar, dass auch dieser Abschnitt landschaftlich keineswegs die zweite Geige spielt. Die Straße schlängelt sich durch dichte Wälder, vorbei an steilen Hängen und tiefen Tälern. Hinter jeder Kurve wartet eine neue Aussicht. Mal taucht zwischen den Bäumen plötzlich der Mount Rainier auf, mal öffnet sich der Blick auf eine tiefe Schlucht, und kurz darauf verschwindet alles wieder hinter einem dichten Vorhang aus Tannen.

Die Strecke ist schmal, kurvig und stellenweise direkt in den Berghang gebaut. Rechts geht es steil nach oben, links teilweise ebenso steil nach unten. Das ist wunderschön - und sorgt gleichzeitig dafür, dass man als Beifahrer gelegentlich etwas aufrechter sitzt als unbedingt nötig.


Unser erster Stopp ist der Picture Frame Fall. Der kleine Wasserfall liegt direkt am Straßenrand und plätschert über eine steile, moosbewachsene Felswand. Er ist nicht riesig, aber ausgesprochen hübsch. Ein charmanter kleiner Wasserfall für zwischendurch.


Im Mai und Juni, wenn in den höheren Lagen der Schnee schmilzt, soll er wesentlich kräftiger sein. Dann dürfte aus dem freundlichen Plätschern vermutlich ein deutlich beeindruckenderes Rauschen werden. Heute präsentiert er sich eher in der Kategorie: klein, fein und schnell fotografiert.


Danach fahren wir weiter zum Aussichtspunkt auf die Martha Falls.


Von der Plattform können wir den Wasserfall auf der gegenüberliegenden Seite des Tals erkennen. Leider ist er ziemlich weit entfernt. Er sieht ein wenig so aus, als hätte jemand einen weißen Faden an die dunkle Felswand geklebt.


Aber wir sehen ihn!

Und das zählt.



Nach einem Tunnel verändert sich die Landschaft plötzlich.

Die zuvor überwiegend grünen Wälder bekommen immer mehr gelbe, orangefarbene und rote Flecken. Der Indian Summer steht noch ganz am Anfang, aber seine ersten Vorboten sind bereits deutlich zu erkennen.


Wir können nur erahnen, wie unglaublich diese Gegend in drei Wochen aussehen muss, wenn sich der gesamte Wald in ein Meer aus Rot, Gold und Orange verwandelt. Wahrscheinlich würde man dann überhaupt nicht mehr vorwärtskommen, weil man hinter jeder Kurve anhalten und fünfhundert nahezu identische Fotos machen müsste.


Schon jetzt sind wir vollkommen fasziniert. Bei bestem Wetter und rund 25°C spazieren wir durch die ersten kräftigen Herbstfarben. Die Sonne fällt durch die bunten Blätter, überall leuchtet und glitzert es, und für einen kurzen Moment vergessen wir fast, dass offiziell noch gar nicht richtig Herbst ist.


Ein Traum.


Natürlich befinden sich die aller schönsten und farbenprächtigsten Stellen genau dort, wo man nicht anhalten kann. Das scheint ein grundlegendes Naturgesetz auf Roadtrips zu sein: Je spektakulärer die Aussicht, desto weniger Parkmöglichkeiten gibt es.


Flyspy dürfte das Problem theoretisch aus der Luft lösen. Praktisch bleiben die Propeller aber still, denn Drohnen sind im Nationalpark verboten. Außerdem würde ich vermutlich Ärger mit Jule bekommen - und das dürfte am Ende gefährlicher werden als jede offizielle Strafe.


Also bleibt Flyspy brav auf dem Boden.



Am Ende dieses Parkabschnitts wartet der Silver Falls auf uns.


Der reguläre Hauptweg ist wegen Sanierung arbeiten gesperrt. Also müssen wir nach einer Alternative suchen. Zum Glück gibt es einen ziemlich zuverlässigen Hinweis darauf, wo sich ein inoffizieller oder alternativer Zugang befindet: eine Ansammlung parkender Autos.

Wo viele Autos stehen, muss schließlich irgendetwas sein.


Wir stellen uns dazu und finden tatsächlich einen anderen Weg. Dieser führt ziemlich steil bergab. Während wir hinunterlaufen, denken wir bereits darüber nach, dass wir denselben Weg später auch wieder hochmüssen. Aber dieses Problem überlassen wir unserem Zukunfts-Ich. Das beschäftigt sich dann schon damit.


Auf den Bildern wirkte der Wasserfall vorher gar nicht so spektakulär. Eigentlich wollten wir hauptsächlich ein bisschen wandern und uns bewegen.


Doch der Silver Falls überrascht uns komplett.


Das türkisgrüne Wasser zwängt sich mit enormer Kraft durch eine schmale, dunkle Felsschlucht. Mehrere Strömungen schießen über die glatt geschliffenen Felsen, prallen gegeneinander und stürzen schließlich schäumend in die Tiefe. Das Wasser leuchtet beinahe unnatürlich intensiv zwischen den dunklen Felswänden und dem satten Grün des Waldes.


Das Rauschen ist gewaltig. Feiner Sprühnebel liegt in der Luft, und von der Plattform aus können wir beobachten, wie sich das Wasser durch die enge Schlucht kämpft.


Auf Fotos sah er nett aus.


In echt ist er beeindruckend.


Wieder einmal zeigt sich: Wasserfälle sind wie Menschen auf Dating-Profilen - manche sehen auf den Bildern besser aus, andere überraschen erst beim persönlichen Treffen.


Der Silver Falls gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.



Anschließend fahren wir zum Sunrise-Abschnitt.


Obwohl nur ein kurzer Teil der Straße geöffnet ist, ist hier deutlich mehr los, als wir erwartet hatten. Am Ende der befahrbaren Strecke ist es wieder knickeknackevoll. Autos stehen überall, Menschen laufen kreuz und quer über die Straße, und jeder sucht verzweifelt nach einer Parklücke, die es vermutlich seit einer Stunde nicht mehr gibt.


Krass.


Wir drehen um und fahren ungefähr eine Meile zurück. Dort finden wir einen ruhigen Platz mit einem nahezu perfekten Blick auf die stärker vergletscherte Seite des Mount Rainier.


Und dieser Anblick haut uns noch einmal um.


Der Mount Rainier ist mit 4.392 Metern der höchste Berg des Bundesstaates Washington und ein aktiver Schichtvulkan. Weil er weit über die umliegende Landschaft hinausragt, wirkt er aus fast jeder Perspektive gewaltig. Seine Hänge sind von riesigen Gletschern und Schneefeldern bedeckt, die sich wie gefrorene Flüsse durch die tiefen Rinnen des Berges ziehen.


Von dieser Seite erscheint er noch wilder und schroffer als zuvor. Die zerklüfteten Gletscherflächen, die dunklen Felswände und der strahlend weiße Gipfel bilden einen unglaublichen Kontrast zum tiefblauen Himmel.


Direkt vor uns fließt außerdem der White River. Sein helles, milchig-graues Wasser stammt aus den Gletschergebieten des Mount Rainier und schlängelt sich durch das breite, steinige Flussbett. Zusammen mit dem gewaltigen Berg im Hintergrund ergibt sich ein Bild, das fast zu perfekt wirkt, um real zu sein.


Das wäre ein wunderbarer Ort, um zu übernachten. Oder um wenigstens mit einem Kaltgetränk auf diesen Tag anzustoßen.


Doch dafür ist es noch zu früh. Außerdem wollen wir heute noch einige Kilometer schrubben, damit wir unseren inzwischen aktuellen Plan D in den verbleibenden Tagen tatsächlich schaffen.


Plan A und B sind offenbar nur grobe Empfehlungen. Plan C geht ja Versicherungsmäßig nicht (Kanada). Nun regiert Plan D.




Damit endet unser Besuch in einem wirklich beeindruckenden Nationalpark.


Der Mount Rainier National Park ist für uns vor allem ein riesiger Panoramapark. Hinter nahezu jeder Kurve wartet ein neuer Ausblick, und ständig möchte man anhalten. Der Berg ist dabei fast immer präsent. Mal erscheint er mächtig und nah, mal nur kurz zwischen den Bäumen, und manchmal spiegelt er sich perfekt in einem stillen See.


Der Besuch hat sich definitiv gelohnt. Das frühe Aufstehen, die Parkplatzsuche, die vielen Kurven und selbst die gesperrten Straßen geraten bei diesen Ausblicken schnell in Vergessenheit.


Vielleicht kommen wir irgendwann noch einmal zurück.


Wer weiß - dann möglicherweise mitten im Indian Summer. Vermutlich müssten wir dafür allerdings schon um 3 Uhr morgens aufstehen, um einen Parkplatz zu bekommen.


Wir verabschieden uns vom Mount Rainier und geben das nächste Ziel ins Navi ein: eine Tankstelle.


Google zeigt dort einen Benzinpreis an, den wir selbst kaum glauben können. Wahrscheinlich ein Tippfehler. Vielleicht stammt der Eintrag auch aus dem Jahr 2004. Aber nachschauen kostet nichts, und tanken müssen wir ohnehin dringend.

Also fahren wir los.


Tschüss Mount Rainier
Tschüss Mount Rainier

Bevor wir die Tankstelle erreichen, genießen wir noch einmal die traumhafte Strecke. Wir halten an mehreren Aussichtspunkten und machen Fotos.


So kommen wir natürlich überhaupt nicht vorwärts.


Aber was sollen wir machen? Einfach an einer schönen Aussicht vorbeifahren? Das wäre ja fast schon respektlos.


Der Naches River begleitet uns über weite Teile der Strecke. Neben dem Wasser werden die ersten Herbstfarben immer deutlicher. Zwischen den dunklen Nadelbäumen leuchten gelbe und orangefarbene Blätter, während kleine Häuser am Flussufer stehen.

Wir beneiden jeden Menschen, der hier ein Häuschen besitzt. Morgens aufstehen, Kaffee kochen und auf den Fluss schauen - das klingt schon ziemlich gut.


Wobei die Bewohner vermutlich irgendwann einfach daran vorbeischauen und sich stattdessen über die Touristen ärgern, die alle 500 Meter mitten auf der Straße abbremsen.


Also über uns.


Schließlich erreichen wir Yakima und steuern die besagte Tankstelle an.


Schon von Weitem erkennen wir: Wir sind nicht die Einzigen, die Google benutzt haben. Offenbar hat die gesamte Stadt denselben Benzinpreis entdeckt und kollektiv beschlossen, genau jetzt tanken zu müssen.


Und tatsächlich: Der Preis ist kein Fehler.


Wir befinden uns noch immer im selben Bundesstaat. Wir haben weder das Land gewechselt noch sind wir durch ein magisches Portal in eine günstigere Parallelwelt gefahren.


Trotzdem kostet der Kraftstoff hier pro Gallone umgerechnet rund 80 Cent bis 1,10 Euro weniger als an vielen anderen Tankstellen der Stadt.


Dementsprechend sieht es hier auch aus.


Die Tankstelle ist brechend voll. An jeder Zapfsäule stehen mehrere Fahrzeuge, und die Schlange reicht weit zurück. Das Ganze erinnert weniger an einen kurzen Tankstopp, sondern mehr an die Benzin-Ausgabe kurz vor dem Weltuntergang.


Natürlich stellen wir uns ebenfalls an.


Bei 198 Litern, die in unseren Tank passen, lohnt sich das Warten nämlich ganz erheblich. Die Menschen hinter uns dürften trotzdem kurz innerlich weinen, als sie sehen, wie viel Kraftstoff in unserem Fahrzeug verschwindet.


Die Anzeige zählt und zählt und zählt.


Vermutlich glauben einige, wir würden nicht nur unseren Tank, sondern heimlich noch einen unterirdischen Vorratsbehälter befüllen. Aber bei diesem Preis scheint es allen egal zu sein.


Jeder wartet geduldig auf seine persönliche Portion günstiges Glück.



Nach dem Tanken machen wir noch einen kurzen Stopp bei Walmart.

An der Tankstelle hatten wir zunächst gedacht, dass es wegen der vielen Autos so warm sei. Motoren, Asphalt, Menschenmassen - kann ja sein.


Aber nein.


Es ist tatsächlich wieder richtig heiß.


The Summer is back!


Am Morgen stehen wir (also Jule) noch dick eingepackt beim Sonnenaufgang am Mount Rainier, wenige Stunden später laufen wir bei sommerlichen Temperaturen über einen Walmart-Parkplatz.


Diese Reise kann sich offenbar nicht entscheiden, welche Jahreszeit gerade zuständig ist.


Nun liegen ungefähr 200 Meilen Autobahn vor uns.


Keine spektakulären Bergstraßen mehr. Keine Wasserfälle direkt neben der Fahrbahn. Keine Aussichtspunkte hinter jeder Kurve.


Nur Autobahn.


Sehr viel Autobahn.


Wir legen zwei Stopps ein. Der Erste erfolgt an einer Rest Area, wo wir kostenlos dumpen und Frischwasser auffüllen können. Das Ganze natürlich mit Blick auf den Mount Rainier. Selbst beim Entleeren unserer Tanks bekommen wir hier also noch eine Postkartenkulisse geboten.


Luxus ist eben relativ.


Unser zweiter Stopp führt uns zu den Wild Horse Monuments. Hoch über dem Columbia River stehen große Pferdeskulpturen auf einem Bergrücken. Von unten wirken sie wie eine Herde wilder Pferde, die über den Horizont galoppiert. Zusammen mit der weiten, trockenen Landschaft und dem riesigen Fluss bietet sich noch einmal ein völlig anderes Bild als am Morgen.


Nach ungefähr 200 Meilen ziemlich eintöniger Autobahnfahrt gibt es doch noch einen Moment, der uns schlagartig wieder hellwach macht.

Plötzlich bremsen alle Fahrzeuge ab. Für kurze Zeit entsteht ein Stau. Auf der Gegenfahrbahn steht ein Auto lichterloh in Flammen. Dichter schwarzer Rauch steigt in den Himmel, während das Fahrzeug vollständig vom Feuer erfasst wird.


Die Straße auf der anderen Seite muss gesperrt werden. Alle Fahrzeuge dort werden umgeleitet und müssen einen Umweg von mindestens 80 Meilen fahren.


Die Armen.


So ärgerlich der Umweg auch sein mag, das Wichtigste ist: Dem Fahrer ist offenbar nichts Lebensbedrohliches passiert. Er steht am Straßenrand und unterhält sich mit der Polizei. Zwar sieht er mitgenommen und ziemlich schmutzig aus, aber er kann stehen, sprechen und scheint unverletzt zu sein.


Das Auto dürfte dagegen seine letzte Meile gefahren sein.

Nach diesem Schreck geht es für uns weiter. Die Straße zieht sich, die Landschaft fliegt vorbei, und langsam nähert sich der Tag seinem Ende.

Gegen 18 Uhr erreichen wir schließlich einen neuen Bundesstaat.

Wobei "neu" nicht ganz richtig ist. Für uns ist er nämlich kein Unbekannter. Wir waren schon einmal hier und wissen daher ungefähr, was uns erwartet.


Trotzdem fühlt sich jede Staatsgrenze ein bisschen wie der Beginn eines neuen Kapitels an. Ein neuer Abschnitt unserer Reise, neue Landschaften und vermutlich auch neue Pläne, die spätestens übermorgen wieder komplett geändert werden.


Nach einem Sonnenaufgang am Mount Rainier, unzähligen Wasserfällen, bunten Herbstwäldern, einem sensationellen Benzinpreis, 198 Litern Kraftstoff und 200 Meilen Autobahn bleibt nur noch eines zu sagen:


Hallo Idaho!

Wir steuern den idyllischen Falls Park in Spokane an. Und hier haben wir ein ganz großes, bürokratisches Ziel vor Augen:


Wir wollen hier heute nicht nur unseren sage und schreibe 30. WASSERFALL in diesem Urlaub feierlich auf unserer mentalen Bucket-List abhaken (ja, wir zählen jeden Tropfen akribisch mit), sondern wir sind auch auf der Jagd nach einem ganz bestimmten optischen Phänomen.


Hier im Park gibt es nämlich eine alte Brücke, die sich auf der Wasseroberfläche exakt so perfekt kreisrund spiegeln soll wie die weltberühmte Rakotzbrücke drüben im Sorbenland. Das wollen wir natürlich mit eigenen Augen sehen!


Am Ende sieht man leider nur einen recht überschaubaren, leicht verzerrten Teil der runden optischen Täuschung. Aber hey, wir wollen mal nicht meckern!


Schön ist das Bauwerk auf jeden Fall, der gesamte Park lädt zum gemütlichen Schlendern ein und der Wasserfall rauscht auch ganz ordentlich vor sich hin. Für einen kleinen, feinen und absolut stressfreien Zeitvertreib zwischendurch war das genau die richtige Dosis Natur-Kultur-Mix, um den Hintern mal aus dem Fahrersitz zu bekommen.



Da es langsam aber dunkler wird, suchen wir unseren Schlafplatz auf. Dieser ist 35 Minuten entfernt und ist direkt am Rose Lake. Hier darf man kostenlos 3 Tage Campen.



Wir kommen auch perfekt an. Die Sonne geht gerade unter und wir stürmen gleich den Steg am See und genießen bei einem Kaltgetränk den super Schlafplatz.


Unsere Stecke heute
Unsere Stecke heute

Gefahrene Kilometer: 673

Davon Jule: 315





 
 
 

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